Statik-Skandal in Manhattan: Fehlende Bewehrung führt zu Stützenknicken bei Hochhausumbau
Das Department of Investigation bestätigt nach ENR ei…
Hendrik Lohmann·aktualisiert 19. Juli 2026

Einem Bericht von Engineering News-Record zufolge erhebt der projektierende Tragwerksplaner des Hochhausumbaus am früheren Pfizer-Hauptsitz in Manhattan den Vorwurf, die statisch erforderliche Bewehrung sei nicht eingebaut worden. Am 7. Juli 2026 knickten zwei tragende Stützen im 21. Obergeschoss des Gebäudes 235 E. 42nd St., angrenzende Deckenfelder senkten sich. Der Vorfall unterbricht eines der größten laufenden Büro-zu-Wohnungs-Konversionsprojekte der USA.
Behauptung und Dokumentation
GACE Consulting Engineers, Engineer of Record des Umbaus, erklärt laut Gothamist vom 16. Juli, die in der Bemessung vorgeschriebene Stützenverstärkung sei im Bauablauf nicht ausgeführt worden. Principal Engineer Chris Behan wird mit der Aussage zitiert, die Bewehrung vom 19. OG bis zur Oberkante des 21. OG, welche die Stützentragfähigkeit signifikant erhöht hätte, sei nicht eingebaut worden.
Eine redaktionelle Prüfung stadtrechtlich genehmigter Tragwerkspläne durch Gothamist bestätigt die Bemessungsvorgabe. Die ausführende Seite hat sich öffentlich nicht positioniert. Das New York City Department of Buildings hat den Eigentümer angewiesen, Thornton Tomasetti als unabhängiges Ingenieurbüro für die Stabilisierung und eine forensische Bestandsaufnahme zu binden. Special Testing & Consulting wurde zusätzlich als dritte Prüfstelle berufen. Das Department of Investigation bestätigt nach ENR ein paralleles Verwaltungsverfahren.
Verantwortungskette und Aufsicht
Christopher Raebel, Vice President of Engineering and Research beim American Institute of Steel Construction, ordnet die Aufgabenverteilung allgemein ein. Mittel und Methoden der Bauausführung obliegen dem Auftragnehmer; temporäre Tragkonstruktionen können über separate Ingenieure abgewickelt werden. Der Engineer of Record zeichne für das fertige Bauwerk verantwortlich und müsse während aller Bauphasen eingebunden bleiben. Raebel ist nach ENR-Angaben nicht in das laufende Verfahren eingebunden.
DOB äußert sich nicht zu den Vorwürfen von GACE und verweist auf den laufenden Untersuchungsstand. Zivilrechtliche und versicherungstechnische Auseinandersetzungen zwischen den Beteiligten zeichnen sich ab.
Tragwerksrelevanz
Der Vorgang berührt mehrere Grundfragen der Tragwerksplanung: die lückenlose Übertragung der Bemessung in die Ausführungsplanung, die baubegleitende Prüfung und die Verteilung von Verantwortung bei parallel beauftragten Prüfinstanzen. Bemessungsvorgaben entfalten ohne zugeordnete Inspektion und nachvollziehbare Baudokumentation keine Tragsicherheit. Die Bestellung eines zusätzlichen Sonderprüfingenieurs neben dem vorhandenen Team verändert die Schnittstellen zwischen Engineer of Record, Bauaufsicht und Ausführung. Die Frage, an welcher Stelle der Ausführungskette die Bewehrungsvorgabe verloren ging, ist offen.