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Dachflächen optimal nutzen: Statische Planung für Photovoltaik auf Parkbauten

Auf dem Campus des UW Health Eastpark Medical Center in Madison, Wisconsin, trägt ein fünfgeschossiges Parkhaus aus Fertigteil-Beton rund 2.000 Solarmodule – die größte Photovoltaikanlage des Bundesstaats.

Hendrik Lohmann·aktualisiert 13. September 2026

Dachflächen optimal nutzen: Statische Planung für Photovoltaik auf Parkbauten

Die Tragstruktur war vor dem ersten Betoniervorgang auf die PV-Lasten ausgelegt. Nach Angaben von Environment+Energy Leader erzeugt die Anlage etwa 1.260 Megawattstunden jährlich, deckt nahezu 30 Prozent des Campus-Energiebedarfs und kompensiert den Strombedarf des Protonentherapiezentrums vollständig. Das Projekt dokumentiert die statische Konsequenz einer verschobenen Planungsreihenfolge.

Reihenfolge der Festlegungen

Üblich ist die umgekehrte Sequenz: Tragwerk steht, Photovoltaik folgt als Bestandsaufrüstung. In Madison lief die Planung gegenläufig. Die Konsequenz für den Tragwerksplaner: PV-Lasten gehören in die Lastannahme, bevor Stützenraster, Querschnitte und Anschlüsse fixiert sind. Parkbauten bieten die Voraussetzungen – geringe Stützweiten, wiederholbare Tragschichten, robuste Duktilität. Lasten aus Eigengewicht, Schnee, Wind und thermischer Zwängung werden Teil der Grundstatik, nicht einer späteren Nachweisführung. Eine nachträgliche Ertüchtigung greift in Abdichtung, Anschlüsse und Tragschicht ein.

Befestigung als Tragwerksentscheidung

Drei Montagearten bestimmen die anschließende Auslegung. Rack-mounted: bis etwa 5 psf, dachdurchdringend, eingeschränkte Raumhöhe darunter. Ballastiert: 20 bis 30 psf Betonauflast, keine Durchdringung, wanderungsanfällig bei Wind oder Erdbeben. Pfostenmontiert: größte Tragwirkung, nachweispflichtige Schnittstelle zur Unterkonstruktion, maximale nutzbare Höhe – daher ihre Eignung für Überdachungen über Stellplätzen. Die Auswahl steht am Beginn jeder Lastableitung und bestimmt Querschnitte, Stützenraster und Anschlussgeometrie.

Lastfälle im Nachweis

Eigengewicht: 5 psf bei Racks bis 10 bis 15 psf bei pfostenmontierten Systemen. Schnee verhält sich an geneigten Modulen abweichend vom Flachdach: Module wirken als Hindernis, Verwehungen bauen sich auf, abrutschende Massen sammeln sich an Aufkantungen; der Abgleiteffekt hält Module frei, überlastet aber angrenzende Dachbereiche. Wind: Anströmung der Modulrückseite erzeugt Sog, der die Anzahl der Verankerungen und die erforderliche Auflast bemisst. Thermische Verformung der Modulreihen verlangt eine zwängungsfreie Lagerung in der Unterkonstruktion. Lokale Schnee- und Windzonen sowie Neigungswinkel und Reihenabstand gehen unmittelbar in die psf-Werte ein. Ballastsysteme in Erdbebenzonen benötigen zusätzliche Lagesicherung gegen Gleiten und Kippen. Die Verankerungsauslegung gehört damit in das Lastenheft, nicht in eine nachgelagerte Optimierungsphase.