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Standsicherheit nach Erdbeben: Internationale Experten prüfen 1.000 Gebäude in Venezuela

Nach Angaben von PantherNOW koordiniert Rafael Camilo Gutierrez von der Florida International University eine internationale Initiative zur statischen Bewertung von mehr als 1.000 gefährdeten Gebäuden in Venezuela.

Hendrik Lohmann·aktualisiert 26. Juli 2026

Standsicherheit nach Erdbeben: Internationale Experten prüfen 1.000 Gebäude in Venezuela

Im Mittelpunkt stehen nicht Hilfsgüter, sondern der Standsicherheitsnachweis beschädigter Tragwerke und die Schulung lokaler Ingenieure. Für die Tragwerksplanung ist die Reihenfolge eindeutig: Erst Bewertung, dann Nutzung oder Sicherung.

Schadensbild ohne Freigabe

Das Erdbeben verursachte laut Gutierrez großflächige Zerstörungen. Als Faktoren nennt er die Stärke und geringe Tiefe des Bebens sowie einen hohen Anteil älterer, schwächer errichteter Gebäude. Rund 200 Bauwerke seien eingestürzt; etwa 1.000 weitere Gebäude seien einsturzgefährdet.

Die Zahl ist kein Sanierungsprogramm. Sie beschreibt einen Prüfbedarf. Zusätzlich müssten tausende Bauwerke inspiziert werden, bevor ihre Sicherheit beurteilt werden könne. Eine bloße Sichtung ersetzt diesen Nachweis nicht. Entscheidend sind Schadenszustand, Tragwirkung und die Belastbarkeit der verbleibenden Bauteile.

Prüfmethodik als Engpass

Gutierrez vernetzt Fachleute und Hochschulen aus den USA, Kolumbien und Venezuela. Die lokalen Ingenieure sollen Verfahren anwenden, die in den USA für die Bewertung beschädigter Gebäude üblich sind. Zugleich soll technisches Wissen zwischen den beteiligten Ländern übertragen werden.

Nach seiner Aussage fehlen in Venezuela Regelungen für diese Inspektionen. Damit verschiebt sich der kritische Punkt vom einzelnen Schadensfall auf die Prüfsystematik: Methodik, einheitliche Beurteilung und fachliche Abstimmung müssen vor einer belastbaren Gebäudeeinstufung stehen. Hochschulen übernehmen dabei zwei Funktionen: Sie bündeln erfahrene Fachleute und bilden künftige Prüfingenieure aus.

Konsequenz für die Tragwerksplanung

Die Initiative trennt Schadenshilfe und Standsicherheitsbewertung. Das ist technisch notwendig. Ein beschädigtes Gebäude darf nicht aufgrund seiner äußeren Erscheinung als nutzbar gelten. Der Nachweis erfordert eine nachvollziehbare Bewertung des Tragwerks.

Gutierrez verweist auf die Bedeutung von Normen und regelgerechter Planung. Wo Bauausführung und Regelwerk nicht übereinstimmen, steigt im Erdbebenfall das Versagensrisiko. Die technische Konsequenz bleibt klar: Vor Wiederinbetriebnahme steht die qualifizierte Untersuchung des Tragwerks.