Bauwirtschaft vor der Stagnation: Warum Tragwerksplaner jetzt umdenken müssen
Nach Angaben des Kurier erreicht die österreichische Bauwirtschaft 2026 voraussichtlich ihren Tiefpunkt.
Hendrik Lohmann·aktualisiert 22. Juli 2026

Die EY-Bauprognose erwartet bis 2028 keinen kräftigen Aufschwung. Für Tragwerksplanung und Konstruktion bleibt damit nicht die Auslastung, sondern die wirtschaftliche Tragfähigkeit jedes Einzelprojekts maßgebend.
Bauvolumen bleibt unter dem Ausgangsniveau
Das gesamte Bauvolumen soll 2026 auf 51,7 Milliarden Euro sinken. 2021 waren es 58,7 Milliarden Euro. Für 2028 prognostiziert EY 52,0 Milliarden Euro. Der Abstand zum früheren Niveau bleibt bestehen.
Im Hochbau ist die Diskrepanz größer. Das reale Bauvolumen fiel laut Prognose von 50,6 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 43,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Für 2026 wird erneut ein leichtes Minus erwartet. Bis 2028 soll das Hochbauvolumen 43,9 Milliarden Euro erreichen. Eine Rückkehr zum Niveau von 2021 ist damit nicht absehbar.
Der Neubau trägt die Last des Rückgangs. Das reale Neubauvolumen im Hochbau sank zwischen 2021 und 2025 durchschnittlich um 5,8 Prozent pro Jahr. Der Wohnungsbau bleibt besonders betroffen. Sein reales Volumen lag im vergangenen Jahr bei rund 27,5 Milliarden Euro und soll 2026 sowie 2027 auf diesem Niveau verharren.
Genehmigung, Finanzierung, Kosten
Die Nachfrage nach leistbarem Wohnraum übersteigt weiter das Angebot. Der Engpass liegt nach EY nicht in der Nachfrage, sondern in der Umsetzbarkeit. Hohe Bau- und Finanzierungskosten, unsichere Erlöspotenziale und wirtschaftlich eingeschränkt verfügbare Grundstücke verschieben Entscheidungen.
Auch die Zahl der Baubewilligungen begrenzt die künftige Projektpipeline. Im Wohngebäudebereich stieg sie im Vorjahr gegenüber 2024 von rund 10.500 auf 11.000. Gegenüber 2021 mit 23.000 Bewilligungen bleibt das Niveau niedrig.
Die Reichweite der Auftragsbestände im Baugewerbe erhöhte sich im ersten Quartal 2026 von 13 auf 15 Wochen. Das ist ein Stabilisierungssignal. Es ist kein Nachweis für einen Marktaufschwung. EY erwartet ab 2027 lediglich ein Bauvolumenplus von 0,7 Prozent und 2028 von 1,1 Prozent.
Konsequenz für die Tragwerksplanung
Die Projektentscheidung benötigt eine frühere statisch-konstruktive Prüfung. Die Lastabtragung, das Raster, die Gründung und die Materialmengen bestimmen Kosten und Genehmigungsfähigkeit bereits vor der Ausführungsplanung. Späte Systemwechsel erhöhen den Planungsaufwand und gefährden Termine.
Erforderlich ist eine belastbare Variantenrechnung in der Vorplanung. Sie muss Tragwerk, Bauablauf und wirtschaftliche Randbedingungen gemeinsam prüfen. Ein schlankes System genügt nicht, wenn es keine Reserve für Nutzung, Bauzustände oder Änderungen besitzt. Umgekehrt ist Überdimensionierung unter den aktuellen Kostenbedingungen kein tragfähiger Ansatz.
Die Prognose zeigt keinen abrupten Marktstillstand, aber eine verlängerte Phase der Stabilisierung. Für Planer und Bauherren folgt daraus ein klarer Maßstab: Projekte müssen früher rechnen. Nicht erst nach der Genehmigung.