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Stahlbau-Verbände fordern ganzheitliche Strategie für die deutsche Brückeninfrastruktur

Die Sperrung der Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn verändert die Lastverteilung am Mittelrhein. Der Deutsche Stahlbau-Verband DSTV und bauforumstahl fordern darauf eine netzweite, vorausschauende Planung der Brückeninfrastruktur.

Hendrik Lohmann·aktualisiert 30. Juli 2026

Stahlbau-Verbände fordern ganzheitliche Strategie für die deutsche Brückeninfrastruktur

Den Antrag der CDU NRW für einen regionalen Brücken- und Verkehrsplan am Mittelrhein unterstützen beide Verbände ausdrücklich. Pendler, Industrie und Logistik tragen die unmittelbaren Folgen.

Netz statt Punkt

Ersatzneubauten, Zubringer und Anschlussstellen sind nach Forderung der Verbände gemeinsam mit dem nachgeordneten Netz zu planen. Parallelausfälle benachbarter Bauwerke sind als Lastfall nachzuweisen. Die geplante Rheinspange 553 zwischen Köln und Bonn dient als Referenz: eine zusätzliche Rheinquerung schafft Redundanz und entlastet bestehende Achsen. Gregor Machura, Hauptgeschäftsführer beider Verbände, verlangt verbindliche Fristen für Planung und Genehmigung, vereinfachte Verfahren für Ersatzneubauten und eine klare Priorisierung kritischer Infrastruktur. Rückbaubare Behelfsbrücken gelten ausdrücklich als Mittel gegen Sperrungsfolgen. Klare Zuständigkeiten, schlanke Verfahren und verlässliche Entscheidungen bleiben die messbaren Ziele. Qualitätsanforderungen werden nicht abgesenkt.

Werkstoffseite als zweite Belastung

Die VerkehrsRundschau dokumentiert die materielle Lage. Nach dem Teileinsturz der Carolabrücke in Dresden stehen in Sachsen Brücken mit Hennigsdorfer Spannstahl unter Beobachtung. Das Material neigt zu Spannungsrisskorrosion und hat bereits zu Sanierungen, Sperrungen und Ersatzneubauten geführt. Eine Überführung der A14 bei Grimma wird zurückgebaut, die Autobahn zeitweise voll gesperrt. Die B101-Brücke bei Großenhain ist bereits ersetzt. Die B2-Brücke im Agra-Park bei Markkleeberg steht vor einem Neubau im zweistelligen Millionenbereich. In Bad Schandau wird eine Brücke über Bahngleise vollständig ersetzt, die benachbarte Elbebrücke weiter überwacht. Auch mehrere Überführungen entlang der A14 zwischen Leipzig und Nossen sowie eine Bahnbrücke im Landkreis Leipzig zeigen erhöhten Erneuerungsbedarf. Alle genannten Bauwerke stammen aus den 1960er- und 1970er-Jahren und erreichen das Ende der ursprünglichen Nutzungsdauer. Freistaat Sachsen, Autobahn GmbH und Bahn prüfen landesweit vergleichbare Bauwerke, führen Materialuntersuchungen und statische Bewertungen durch.

Folgerung für die Tragwerksplanung

Die Verschiebung verlangt eine Erweiterung des statischen Nachweisumfangs. Ausfallszenarien, Umleitungsfähigkeit und temporäre Hilfsbrücken gehören in die Konzeption, nicht in den Anhang. Werkstoffseitig treten Restnutzungsdauer, Korrosionsmonitoring und verkürzte Inspektionsintervalle als eigenständige Bemessungsfragen hinzu. Beide Achsen sind ab der Vorplanung parallel zu führen. Die deutsche Stahlbauindustrie signalisiert Liefer- und Planungsbereitschaft. Entscheidende Messgröße bleibt die Geschwindigkeit, mit der politische Anträge in genehmigte und finanzierte Projekte überführt werden.