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Meldung

Sperrung der Adenauerbrücke in Esslingen: Korrosionsschäden am Tragwerk

Nach Angaben der Stadt Esslingen ist der Großteil der Adenauerbrücke für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt.

Hendrik Lohmann·aktualisiert 11. August 2026

Sperrung der Adenauerbrücke in Esslingen: Korrosionsschäden am Tragwerk

Adenauerbrücke: Tragfähigkeit nicht mehr ausreichend

Ursache sind erhebliche Korrosionsschäden an internen Spanngliedern des Tragwerks. Eine akute Einsturzgefahr besteht laut Stadt derzeit nicht. Für den Verkehr wurde eine Umleitung eingerichtet.

Die Brücke ist rund einen Kilometer lang. Sie überführt die B10, den Neckar und Bahngleise. Rund 30.000 Fahrzeuge nutzen sie täglich. Damit betrifft die Sperrung nicht nur den lokalen Verkehr. Sie ist eine unmittelbare Folge eines Tragwerksnachweises, der für den untersuchten Bereich keine ausreichende Sicherheit bei weiterer Befahrung bestätigt.

Schadensbild liegt im Tragwerksinneren

Die kritischen Bauteile sind die Spannglieder. Sie verlaufen über die Länge der Brücke und wurden beim Bau Anfang der 1970er-Jahre unter hoher Spannung eingebaut. Ihre Funktion ist eindeutig: Sie erzeugen die Vorspannung des Betons und sichern damit die Tragwirkung des Spannbetonbauwerks.

Die Schäden wurden bei vertieften Untersuchungen im nördlichen Bereich festgestellt. Nach Angaben der Stadt sind Spannglieder korrodiert, teilweise angerissen oder vollständig gerissen. Bei allen untersuchten Spannelementen wurden unterschiedlich große Risse nachgewiesen. Die Gutachter gehen deshalb davon aus, dass der Schaden im gesamten nördlichen Abschnitt zwischen Kurt-Schumacher-Straße und Ulmer Straße auftreten kann.

Der Befund ist bei Spannbetonbrücken besonders relevant. Die Spannglieder liegen im Beton und sind von außen nicht sichtbar. Eine routinemäßige Hauptuntersuchung reicht dafür nicht aus. Der Beton muss geöffnet werden, um die Spannelemente direkt zu prüfen. Erst diese Untersuchung ermöglicht eine belastbare Aussage über den Zustand des tragenden Systems.

Als Ursache nennt die Stadt Spannungsrisskorrosion. Der beim Bau verwendete Spannstahl war dafür anfällig. Zusätzlich waren die Hüllrohre um die Spannglieder teilweise nicht vollständig mit Mörtel verpresst. An einigen Stellen wurden Stahlmanschetten um die Spannglieder gelegt. Dadurch konnte die Schutzwirkung des Mörtels nicht vollständig wirken.

Konsequenz für Planung und Betrieb

Die zuständigen Gutachter, das Büro Leonhardt, Andrä und Partner sowie die Materialprüfanstalt der Universität Stuttgart, bewerten die Weiternutzung des untersuchten Teilstücks im Kraftfahrzeugverkehr als nicht mehr sicher möglich. Empfohlen wird der Rückbau der Brücke.

Für die Praxis folgt daraus eine klare Prüfkette: Eine sichtbare Betonoberfläche beschreibt den Zustand der inneren Spannglieder nicht ausreichend. Bei Bauwerken aus den 1970er-Jahren müssen Baualter, Spannstahl, Hüllrohre und Verpressung gemeinsam bewertet werden. Eine Zustandsbewertung ohne gezielte Öffnung des Betons bleibt für diese Schadensart unvollständig.

Das Regierungspräsidium Stuttgart weist parallel auf eine weitere Brückenmaßnahme im Regierungsbezirk hin. An der Brücke über die Bahn bei Bad Mergentheim im Zuge der B 290 sind vom 17. bis 19. August 2026 Schadstoffuntersuchungen für einen Ersatzneubau vorgesehen. Dafür wird die Fahrbahn zeitweise halbseitig gesperrt. Die Untersuchung dient dort der Vorbereitung von Planung und Rückbau.

Beide Fälle zeigen unterschiedliche Prüfaufgaben. In Esslingen entscheidet der Nachweis an verborgenen Spanngliedern über die sofortige Verkehrssperrung. In Bad Mergentheim dienen Bohrproben der Schadstofferkundung vor dem Ersatzneubau. Die technische Reihenfolge bleibt identisch: Bestand erfassen, Risiken nachweisen, Nutzung begrenzen und erst danach Rückbau oder Neubau festlegen.