Sicherheit kritischer Infrastruktur: Schutz vor physischen und digitalen Angriffen
Am 4. September 2026 dokumentiert der rbb-Podcast „Spreepolitik" zwei parallele Angriffe auf die kritische Infrastruktur in Berlin und Brandenburg.
Hendrik Lohmann·aktualisiert 07. September 2026

Sprengvorrichtungen am Umspannwerk Jänschwalde und im Darknet veröffentlichte Verwaltungsdaten treffen die Versorgungs- und die Datenebene gleichzeitig. Die statischen und organisatorischen Schutznachweise für beide Ebenen stehen vor einer Neubewertung.
Sprengstoffanschlag auf das Umspannwerk Jänschwalde
Nach Angaben des rbb sollte in Jänschwalde mit Sprengvorrichtungen ein Umspannwerk außer Betrieb gesetzt werden. Der WDR greift das Thema unter dem Titel „Erneut Angriffe auf Umspannwerke – Wie schützen wir kritische Infrastruktur?" auf und ordnet die Häufung solcher Vorfälle ein. Für Planer folgt daraus: Umspannwerke, Schaltanlagen und Trafostationen sind Bauwerke mit definiertem Last- und Gefährdungsbild. Die lastabtragende Hülle, der Perimeterschutz und die kontrollierte Zugangssteuerung fallen in den Zuständigkeitsbereich des konstruktiven Ingenieurs. Eine normbasierte Bewertung gegen Explosionslasten verlangt separate Nachweise und Anpassungen in der Detailausbildung der Hülle und der Verankerungen.
Vollständiger Datenabfluss der Berliner Verwaltung
Gleichzeitig berichtet der rbb von einem Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung. Tausende Datensätze wurden entwendet und vollständig im Darknet veröffentlicht. Betroffen sind nicht nur interne IT-Systeme. Auch Planungsdaten, BIM-Modelle und Statiknachweise können kompromittiert sein. Die Folge liegt auf der Hand: Vertraulichkeit laufender Genehmigungsverfahren und Integrität digital ausgetauschter Tragwerksdokumente stehen zur Disposition. Der Planer muss die Herkunft und die Konsistenz seiner Eingangsdaten prüfen, bevor er Nachweise führt oder freigibt.
Dezentrale Notlaufversorgung als Tragwerksaufgabe
Photon.info berichtet am selben Tag über ein Vorhaben der HTW Saar zur Notfall-Versorgung kritischer Infrastruktur auf Basis erneuerbarer Energien. Autarke Versorgungsstrukturen treten damit in den Vordergrund. Diese Anlagen verlangen Tragwerkslösungen: modulare Hüllen, schockresistente Anschlüsse, kurze Errichtungszeiten. Der Nachweis erfolgt gegen die im Versorgungsfall zu erwartenden Lasten, inklusive dynamischer Anteile. Die aktuelle Lage erfordert eine Überprüfung der Schutzkonzepte gegen beide Angriffsvektoren und eine Aktualisierung der Schnittstellen zwischen Tragwerksplanung, Versorger und Sicherheitsbehörden.