FIRETEX FX5092: Nachhaltiger Brandschutz für Stahlbau im kritischen Check
Wie das Branchenmagazin Coatings World berichtet, hat Sherwin-Williams mit FIRETEX FX5092 eine wasserbasierte intumeszierende Beschichtung für Konstruktionsstahl vorgestellt, die vom Hersteller als…
Johanna Meisner·aktualisiert 11. September 2026

Wasserbasierter Brandschutz für Stahltragwerke: FIRETEX FX5092
Wie das Branchenmagazin Coatings World berichtet, hat Sherwin-Williams mit FIRETEX FX5092 eine wasserbasierte intumeszierende Beschichtung für Konstruktionsstahl vorgestellt, die vom Hersteller als effizientere und nachhaltigere Alternative zu bestehenden Systemen positioniert wird. Für unsere Arbeit als Tragwerksplanerinnen und -planer ist diese Meldung weniger ein Produktlaunch als ein Hinweis darauf, dass sich im Bereich des reaktiven Brandschutzes offenbar Spielräume für materialökologisch bessere Lösungen auftun – und damit ein Anlass, genauer hinzuschauen, was die neue Rezeptur tatsächlich leistet.
Der Befund: wasserbasiert – aber mit welchen Kennwerten?
Bestätigt ist bislang nur die grundsätzliche Richtung: eine wasserbasierte Formulierung für intumeszierende, also im Brandfall aufschäumende Beschichtungen auf Stahlbauteilen, die nach Herstellerangabe zu geringeren VOC-Emissionen führen soll. Was die Veröffentlichung bislang nicht liefert, sind die Zahlen, die wir auf der Baustelle und im Brandschutznachweis tatsächlich brauchen – Schichtdicken in Abhängigkeit der geforderten Feuerwiderstandsdauer, geprüfte Profilfaktoren, Verarbeitungsgrenzen bei Temperatur und Luftfeuchte sowie Fragen der Haftung auf gängigen Korrosionsschutzsystemen. Wir können ein neues System nicht in eine laufende Statik einbinden, bevor wir diese Unterlagen selbst geprüft haben.
Relevanz für die Planungspraxis
Auf unseren Baustellen entscheidet die Wahl des Brandschutzsystems häufig über mehr als nur den Feuerwiderstand. Lösemittelhaltige Systeme bringen in Innenräumen Geruchs- und Emissionsprobleme mit sich, die Lüftungskonzepte verteuern und in DGNB-, LEED- oder BNB-Zertifizierungen ungünstig bewertet werden. Wasserbasierte Alternativen könnten diese Schnittstellen entspannen – vorausgesetzt, die Dauerhaftigkeit unter realen Bedingungen, die Verträglichkeit mit unterschiedlichen Grundierungen und die Witterungsstabilität während der oft monatelangen Bauphase halten, was die Ankündigung verspricht. Für Sanierungen im Bestand, wo wir ohnehin zwischen bestehenden Altbeschichtungen und neuen Brandschutzschichten vermitteln müssen, wäre eine verträglichere Rezeptur ohnehin überfällig.
Was wir im Auge behalten
Bis belastbare europäische Prüfzeugnisse und Projektreferenzen vorliegen, empfiehlt sich ein zurückhaltender Umgang. Wir werden verfolgen, ob das Produkt auch nach europäischen Normen für reaktive Brandschutzsysteme zugelassen wird, wie es sich bei niedrigen Verarbeitungstemperaturen und auf bereits beschichteten Stahloberflächen verhält und welche Erfahrungen Kolleginnen und Kollegen in ersten Pilotprojekten damit machen. Sobald uns Datenblätter, Verarbeitungsrichtlinien und unabhängige Prüfberichte vorliegen, ordnen wir das System an dieser Stelle in unser Materialportfolio ein.