BIM-basierte Standsicherheitsprüfung: Neuer Leitfaden für Tragwerksplaner
Nach Angaben von ALLPLAN haben Forschende der LGA und der Hochschule Hof im Projekt BauPuls360 einen Leitfaden für den BIM-basierten Workflow zur Prüfung der Standsicherheit entwickelt.
Hendrik Lohmann·aktualisiert 24. Juli 2026

Entscheidend ist nicht das BIM-Modell als Darstellungsobjekt. Entscheidend ist seine Verwendbarkeit im Nachweis- und Prüfprozess.
Für Tragwerksplaner liegt der Wert der Meldung in der Schnittstelle zwischen Modell, Berechnung und Prüfung. Der Leitfaden adressiert genau diese Übergabe.
Das Modell ersetzt keinen Nachweis
Ein BIM-Modell kann Geometrie, Bauteile und Beziehungen abbilden. Der Standsicherheitsnachweis bleibt davon getrennt zu betrachten. Die Prüfung benötigt nachvollziehbare Eingaben, Lastannahmen, Randbedingungen und Ergebnisse.
Der von LGA und Hochschule Hof beschriebene Workflow setzt deshalb an der Prozesskette an. Für Büros ergibt sich eine klare Prüffrage: Welche Informationen liegen im Modell vor, welche entstehen erst im Rechenmodell und welche sind für die Prüfung eindeutig dokumentiert?
Die Antwort darf nicht in einer bloßen Modellansicht liegen. Erforderlich ist eine prüfbare Zuordnung.
Übergaben müssen definiert sein
BIM-basierte Abläufe erhöhen die Zahl digitaler Übergaben. Jede Übergabe erzeugt eine Schnittstelle. Dort entstehen Abweichungen zwischen Entwurf, Tragwerksmodell und Berechnung.
Vor der Anwendung eines solchen Workflows sind daher die Übergabepunkte festzulegen:
- Welche Modellstände bilden die Grundlage des Nachweises?
- Welche Bauteilinformationen werden für die Prüfung bereitgestellt?
- Wie werden Änderungen zwischen Berechnung und Modell dokumentiert?
- Welche Unterlagen machen den Prüfstand nachvollziehbar?
Der Leitfaden liefert hierfür nach Angaben von ALLPLAN eine Beschreibung des BIM-basierten Prüfworkflows. Seine praktische Relevanz hängt daran, ob diese Beschreibung in projektbezogene Verantwortlichkeiten und dokumentierte Modellstände überführt wird.
Digitale Geometrie verlangt Fertigungsbezug
Die Meldung trifft auf eine Entwicklung, in der digitale Planung weiter in die Herstellung reicht. Forschende der TU Wien haben mit Industriepartnern einen digitalen Herstellungsprozess für topologieoptimierte Stahlbetondecken entwickelt. Der Ansatz soll laut TU Wien bis zu 50 Prozent Beton einsparen.
Bei solchen Bauteilen folgt die Geometrie der berechneten Tragwirkung. Die Datenkette reicht damit vom Entwurf bis zu Schalung und Bewehrung. Änderungen an der berechneten Geometrie können nach Angaben der TU Wien unmittelbar in Produktionsdaten übernommen werden.
Damit steigt die Bedeutung eines belastbaren Prüfablaufs. Materialeinsparung und komplexe Form sind kein Ersatz für einen konsistenten Standsicherheitsnachweis. Der Nachweis zeigt, ob die angesetzte Geometrie, die Berechnung und die dokumentierte Ausführung derselben Tragstruktur zugeordnet bleiben.