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Baumarkt-Prognose: Hochbau schwächelt bis 2026, Tiefbau bietet Chancen

Infrastruktur- und Tiefbau wachsen dagegen laut EY Deutschland durch öffentliche Investitionen um rund vier Prozent pro Jahr.

Hendrik Lohmann·aktualisiert 21. Juli 2026

Baumarkt-Prognose: Hochbau schwächelt bis 2026, Tiefbau bietet Chancen

Nach Angaben von EY-Parthenon bleibt der deutsche Hochbau 2026 schwach. Der Markt soll real um 0,2 Prozent sinken. Infrastruktur- und Tiefbau wachsen dagegen laut EY Deutschland durch öffentliche Investitionen um rund vier Prozent pro Jahr. Für die Tragwerksplanung verschiebt sich damit nicht die technische Verantwortung, sondern die Projektpipeline.

Der Hochbau erreicht keinen Umkehrpunkt

Die Reihe ist eindeutig: 2024 sank die Bautätigkeit im Hochbau um 3,6 Prozent, 2025 nochmals um 1,9 Prozent. Für 2026 erwartet EY-Parthenon nur ein geringeres Minus. Das ist Stabilisierung. Keine Erholung.

Der Wohnungsneubau bleibt der kritische Lastfall. Im privaten Eigenheimsegment und im gewerblichen Geschosswohnungsbau ging das Bauvolumen 2025 jeweils um 6,9 Prozent zurück. Auch der Nichtwohnungsneubau war rückläufig: Wirtschaftsneubau um ein Prozent, öffentlicher Hochbau um 0,6 Prozent.

Als Belastungen nennt die Studie Baukosten, Zinsen und geopolitische Unsicherheiten. Energetische Sanierungen im Wohnungsbestand entwickelten sich 2025 ebenfalls rückläufig. Unsichere Förderbedingungen und hohe Kosten verzögern Entscheidungen. Der Bedarf an Wohnraum bleibt laut Studie bestehen. Er erzeugt jedoch nicht automatisch einen Bauauftrag.

Ab 2027 rechnet EY-Parthenon mit realem Hochbauwachstum von 0,8 Prozent, für 2028 mit 1,2 Prozent. Diese Werte beschreiben eine schrittweise Erholung. Sie ersetzen keine belastbare Projektgrundlage im laufenden Jahr.

Infrastruktur erzeugt andere Planungsaufgaben

Der Infrastruktur- und Tiefbau entwickelt sich gegenläufig. Hohe öffentliche Investitionen tragen das Wachstum. Der Befund betrifft die Auslastung von Planungs- und Baukapazitäten unmittelbar.

Für Tragwerksplaner folgt daraus eine klare Prüfung vor der Ressourcenbindung: Projektart, Vergabestatus und Genehmigungsstand müssen getrennt bewertet werden. Ein angekündigtes Infrastrukturvolumen ist noch kein prüffähiger Auftrag. Die Lastabtragung beginnt nicht mit der Investitionsmeldung, sondern mit einer definierten Planungsaufgabe.

Zugleich verschärft die Parallelität beider Märkte die Kapazitätsfrage. Hochbauprojekte bleiben kosten- und finanzierungssensibel. Infrastrukturvorhaben beanspruchen Planungsleistungen, Koordination und Baukapazität. Der Nachweis zeigt daher nicht nur die Tragfähigkeit eines Bauwerks. Er erfordert auch eine belastbare Termin- und Schnittstellenstruktur.

Entscheidend sind Kosten und Genehmigung

EY-Parthenon verweist auf mögliche Entlastungen durch Reformen beim Baugesetzbuch, Bürokratieabbau und schnellere Genehmigungen. Seit 2025 fließen laut Studie jährlich 3,5 Milliarden Euro in den sozialen Wohnungsbau. Zudem besteht ein langfristiges Investitionspaket für Infrastruktur und Klimaneutralität.

Für die Projektpraxis bleiben drei Größen maßgebend: gesicherte Finanzierung, genehmigungsfähige Planung und Kostenstand. Erst ihr Zusammenwirken trägt den Baubeginn. Die Markterwartung für 2026 ersetzt keinen dieser Nachweise.