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Auftragslage im Bauhauptgewerbe: Warum die Differenzierung zwischen Hoch- und Tiefbau für Ingenieure zählt

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg der preisbereinigte Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Mai 2026 gegenüber April saison- und kalenderbereinigt um 3,3 Prozent. Der Befund trennt Hoch- und Tiefbau deutlich.

Hendrik Lohmann·aktualisiert 25. Juli 2026

Auftragslage im Bauhauptgewerbe: Warum die Differenzierung zwischen Hoch- und Tiefbau für Ingenieure zählt

Für Tragwerksplanung ist diese Trennung maßgeblich: Eine Gesamtzahl ersetzt keine projektbezogene Auslastungsanalyse.

Hochbau und Tiefbau laufen auseinander

Im Hochbau sank der Auftragseingang gegenüber April um 3,1 Prozent. Im Tiefbau stieg er dagegen um 8,7 Prozent. Der Monatseffekt beschreibt damit keine gleichförmige Belebung des Baugeschehens.

Der Dreimonatsvergleich reduziert die Monatsvolatilität. Von März bis Mai lag der Auftragseingang 2,6 Prozent über den vorangegangenen drei Monaten. Im Hochbau betrug der Zuwachs 5,3 Prozent, im Tiefbau 0,3 Prozent.

Die Abweichung ist für die Kapazitätsplanung relevant. Hochbauprojekte erfordern andere Nachweisketten, Planungsstände und Schnittstellen als Tiefbaumaßnahmen. Die Statistik liefert jedoch keine Aussage zu Bauarten, Tragwerkssystemen, regionaler Verteilung oder einzelnen Losgrößen.

Vorjahresvergleich: realer Zugang, schwächerer Umsatz

Gegenüber Mai 2025 erhöhte sich der reale, kalenderbereinigte Auftragseingang um 3,5 Prozent. Der Hochbau lag bei plus 6,7 Prozent, der Tiefbau bei plus 1,2 Prozent. Nominal stieg der Auftragseingang um 4,5 Prozent.

Der reale Umsatz im Bauhauptgewerbe lag zugleich 2,1 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Der nominale Umsatz stieg um 2,4 Prozent auf 10,1 Milliarden Euro. Auftragseingang und Umsatz bilden damit verschiedene Zustände ab: Zugang neuer Leistungen einerseits, abgerechnete Leistung andererseits. Aus dem Auftragseingang folgt keine unmittelbare Auslastung der Planung.

Die Zahl der tätigen Personen erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,5 Prozent auf rund 545.000. Auch diese Kennzahl bleibt eine Branchenzahl. Sie belegt weder verfügbare Fachkapazität für Tragwerksplanung noch die Besetzbarkeit einzelner Projektrollen.

Konsequenz für die Projektprüfung

Für Planungsbüros und Bauherren ist der Monatswert ein Signal zur Kontrolle, nicht zum Hochrechnen. Zu prüfen sind der reale Projektvorlauf, der Vergabestand, die Planreife und die Reihenfolge der Nachweise. Besonders bei parallelen Hochbauvorhaben entscheidet die frühe Festlegung des Tragwerkskonzepts über Schnittstellen und Terminlasten.

Die Statistik umfasst Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen. Kleinere Unternehmen sind in dieser Abgrenzung nicht enthalten. Eine Übertragung auf Fulda, einzelne Gewerke oder konkrete Bauvorhaben ist daher nicht belastbar.

Der Nachweis zeigt eine Verbesserung des Auftragseingangs auf Bundesebene. Er zeigt keine pauschale Entspannung oder Verschärfung der Planungs- und Baukapazitäten.