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Wie fossile Infrastruktur zum Rohstofflager für die Energiewende wird

Die Empa-Abteilung „Technologie und Gesellschaft" hat in einer im Fachjournal „Nature Communications" publizierten Studie die Werkstoffbestände fossiler Energieinfrastruktur quantifiziert.

Hendrik Lohmann·aktualisiert 29. Juli 2026

Wie fossile Infrastruktur zum Rohstofflager für die Energiewende wird

Die Analyse erfasst 22 Materialien in Kohleminen, Öl- und Gasplattformen, fossilen Kraftwerken und Großpipelines. Zwei Werkstoffe dominieren die Bestände: Stahl und Kupfer.

Bestand und Bedarfsdeckung

Stahl tritt in fossilen Anlagen als primäres Konstruktionsmaterial in tragenden Bauteilen auf. Er dient als Strukturwerkstoff für Gerüste, Behälter und lastabtragende Komponenten. Kupfer konzentriert sich in Transformatoren und Kabelleitungen. Die Studie weist nach, dass das Recycling dieser Bestände den vollständigen Stahlbedarf der Energiewende decken kann. Zusätzlich ließen sich rund ein Drittel des Kupferbedarfs aus dieser Quelle decken. Die globalen Recyclinganlagen besitzen ausreichende Kapazitäten zur Rückgewinnung beider Metalle. Erstautor Hauke Schlesier bezeichnet die Bestände als „urbane Mine". Voraussetzung ist die planmäßige Stilllegung der fossilen Erzeugung. Mit ihr werden die Materialströme freigesetzt.

Tragwerkstechnische Einordnung und Prüfbedarf

Stahl ist der Hauptwerkstoff für lastabtragende Strukturen. Die Substitution primärer Stahlerzeugung durch Sekundärmaterial aus rückgebauten Anlagen verändert die Versorgungskette. Die Sekundärerzeugung erfolgt im Elektrolichtbogenofen. Sie benötigt Strom statt Kohlenstoff als Reduktionsmittel. Die Kupferrückgewinnung erfolgt elektrochemisch. Beide Verfahren vermeiden die externalisierten Kosten der Primärgewinnung. Diese umfassen Schlacke, Feinstaub und CO2 bei Stahl sowie toxische Abfälle bei Kupfer. Die Recyclingprozesse sind deutlich umweltfreundlicher als die Primärgewinnung.

Offen bleibt die werkstofftechnische Charakterisierung der Sekundärrohstoffe. Materialgüte, Sortenreinheit und Zuordnung zu Sortenfamilien nach einschlägigen Bemessungsnormen stehen aus. Tragwerksplaner benötigen diese Daten, bevor Sekundärstahl in lastabtragenden Verbindungen eingesetzt werden kann. Die Bestandsquantifizierung ist erfolgt. Die normgerechte Eignung der Sekundärwerkstoffe ist offen.

Zeitliche und ökonomische Logik

Die Forschenden identifizieren den frühestmöglichen Beginn des Recyclings als kostenminimalen Pfad. Verzögerung steigert die externalisierten Umwelt- und Gesundheitsschäden der Primärgewinnung. Die Veröffentlichung fällt zeitlich vor den Earth Overshoot Day am 30. Juli 2026. Die Studie ist Teil des EU-Projekts „CircEUlar". Die ökonomische Logik erfordert den sofortigen Beginn.