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Warum Brechsand im Hochhausbau durch neue Normen zum Standard wird

Eine neue Marktübersicht des Analysehauses IndexBox sieht bis 2035 einen wachsenden Bedarf an industriell hergestelltem Brechsand im Hochhausbau und führt diese Entwicklung explizit auf verschärfte…

Johanna Meisner·aktualisiert 16. August 2026

Warum Brechsand im Hochhausbau durch neue Normen zum Standard wird

Eine neue Marktübersicht des Analysehauses IndexBox sieht bis 2035 einen wachsenden Bedarf an industriell hergestelltem Brechsand im Hochhausbau und führt diese Entwicklung explizit auf verschärfte Bauvorschriften zurück. Damit gerät ein Baustoff in den Fokus, der in unserer täglichen Arbeit oft im Hintergrund steht, dessen Qualität für die Standsicherheit und Dauerhaftigkeit unserer Tragwerke aber entscheidend ist. Wir sollten die Diskussion zum Anlass nehmen, die eigenen Materialannahmen zu überprüfen und offene Fragen in der Zusammenarbeit mit den Baustofflieferanten zu adressieren.

Verschärfte Normen, neues Zuschlagmaterial

Wenn Bauordnungen zunehmend auf die Verwendung gebrochener Gesteinskörnungen drängen, hat das handfeste Folgen für unsere Betonrezepturen. Brechsand – also industriell durch Zerkleinerung von Festgestein gewonnene Feinkörnung – unterscheidet sich in Kornform und Oberflächenrauheit deutlich vom klassischen runden Flusssand. Wir müssen daher berücksichtigen, dass sich der Verbund zwischen Zementstein und Zuschlag verändert, der Wasseranspruch bei gleichem Sieblinienaufbau steigt und damit das Schwind- und Rissverhalten des Frisch- und Festbetons neu einzustellen ist.

Für die Tragwerksplanung bedeutet das konkret: Bei höherfesten Betonen, wie sie im Geschoss- und Hochhausbau üblich sind, müssen wir die Auswirkungen auf den E-Modul, die Druckfestigkeit sowie auf das Kriechen und Schwinden sorgfältig in unseren Bemessungsannahmen abbilden. Eine pauschale Übertragung von Rezepturen, die für natürliche Sande entwickelt wurden, ist nicht ohne Weiteres zulässig, und auch die Tabellenwerte aus älteren Normengenerationen sollten wir nicht unbesehen übernehmen.

Worauf wir bei Ausschreibung und Baustoffprüfung achten

In der Praxis empfiehlt es sich, bereits in den Leistungsphasen 2 und 3 aktiv mit den Bauherren und den Objektplanern die Anforderungen an die Gesteinskörnung festzuschreiben. Wir sollten konkret nachfragen, ob die verwendeten Zuschläge die normativen Anforderungen an Kornform, Sieblinie und Reinheit erfüllen und ob entsprechende Prüfzeugnisse vorliegen. Eine vage Lieferzusage „gemäß DIN" reicht uns nicht, wenn wir Betone höherer Festigkeitsklassen in einem sicherheitsrelevanten Bauteil ausschreiben.

Denn für Stützen und Wände in den unteren Geschossen eines Hochhauses, die den größten Teil der Vertikallasten abtragen, ist die Qualität der Feinkörnung von erheblicher Bedeutung. Bereits geringe Schwankungen im Wasseranspruch wirken sich auf die Konsistenz, die Verarbeitbarkeit und die tatsächlich erreichbare Druckfestigkeit aus – Abweichungen, die sich beim späteren Bauen im Bestand nur mit erheblichem Aufwand korrigieren lassen.

Was bleibt zu beobachten

Wie sich der Markt für Brechsand tatsächlich entwickelt und ob die Normenverschärfungen in der Breite greifen, werden die kommenden Jahre zeigen. Wir behalten die regionale Verfügbarkeit gebrochener Zuschläge in unserem Einzugsgebiet im Auge und sprechen unsere Lieferanten gezielt auf die Transparenz der Herkunft und die Gleichmäßigkeit der Lieferqualität an. Denn am Ende entscheidet genau diese Baustoffqualität darüber, ob unsere Tragwerke die Lebensdauer erreichen, die wir ihnen zutrauen.