drews-floeter.
Meldung

Technische Meisterleistung: Die neue Peenebrücke bei Wolgast im Detail

Ingenieur.de berichtet, entsteht bei Wolgast Europas größte Zügelgurtbrücke mit Baukosten von 421 Mio. €. Die Objekt- und Tragwerksplanung übernimmt Leonhardt, Andrä und Partner.

Hendrik Lohmann·aktualisiert 13. August 2026

Technische Meisterleistung: Die neue Peenebrücke bei Wolgast im Detail

Das Vorhaben liefert Prüfstatikern und Tragwerksplanern belastbare Referenzwerte zu Pfahltiefen, Pylonabmessungen und Taktschiebeverfahren über Wasserflächen.

Geometrie und Tragsystem

Der gesamte Brückenzug misst 1465 m. Davon entfallen 502 m auf die eigentliche Strombrücke als Zügelgurtbrücke. Die verbleibenden Abschnitte verteilen sich auf Vorlandbrücken. Die Hauptspannweite beträgt 252 m. Die Pylone erreichen 70 m Höhe. Auf der Wolgaster Seite beginnt die Querung mit einer 347 m langen Vorlandbrücke. Der Überbau setzt sich aus drei Abschnitten zusammen. Die lastabtragende Funktion konzentriert sich auf die 70 m hohen Pylone und die rückverankerten Zügelgurte. Die Kombination aus Vorlandbrücken und Zügelgurtbrücke reduziert die Anzahl der Pfeilerstandorte im freien Wasser.

Gründung und Baugrund

Die Gründungsarbeiten dominieren den Bauablauf. Auf der Festlandseite sind die Fundamente für das Widerlager und vier Pfeilerstandorte fertiggestellt. Pro Standort kamen sechs bis acht Großbohrpfähle mit 1,50 m Durchmesser und bis zu 45 m Tiefe zum Einsatz. Der Festlandpfeiler im Hafenbereich erfordert 25 Bohrpfähle mit etwa 58 m Länge. Das Landesstraßenbauamt Mecklenburg-Vorpommern benennt den schwierigen Baugrund als zentrale Herausforderung des Projekts. Implenia bestätigt die komplexen Gründungsarbeiten mit Großbohrpfählen und die Bauausführung über Wasser als wesentliche technische Schwierigkeiten. Schwimmbagger entfernten zuvor Schlick an den späteren Pfeilerstandorten. An der Hafenkante mussten unter Wasser liegende Altbauteile beseitigt werden. An einem weiteren Standort fanden sich Reste eines bereits in den 1990er-Jahren abgerissenen Gebäudes. Der Befund erforderte eine zusätzliche Beräumung vor dem Aushub der Baugrube.

Bauablauf und offene Punkte

Ende Mai 2026 starteten die ersten Rammarbeiten für eine Spundwand. Seither wachsen die ersten Pfeiler sichtbar in die Höhe. Parallel entsteht ein Taktkeller, von dem aus Teile des Überbaus vorgeschoben werden sollen. Im Peenestrom laufen die Vorbereitungen für die Gründung der Strompfeiler. Spundwände sichern dort die Arbeitsbereiche und schaffen die Voraussetzungen für die folgenden Gründungsarbeiten im Wasser. Die Behörde meldet den Baufortschritt als planmäßig. Konstruktive Details zur Ausbildung der Pylonköpfe, der Zügelgurtanschlüsse und der Lagerungssysteme bleiben abzuwarten. Die Kombination aus 58 m Pfahltiefe, 70 m Pylonhöhe und 252 m Hauptspannweite setzt einen neuen Maßstab im europäischen Zügelgurtbrückenbau.