Stahlfasern als Effizienzhebel: Kostensenkungspotenziale im modernen Betonbau
34 Prozent Materialkosteneinsparung bei vollständigem Ersatz konventioneller Bewehrung durch Stahlfasern in Ortbetonwänden.
Hendrik Lohmann·aktualisiert 23. August 2026

Das Ergebnis einer Studie des brasilianischen Ingenieurbüros Evolução Engenharia, die die technische und wirtschaftliche Machbarkeit des Einsatzes feuerverzinkter Stahlfasern in Ortbetonwänden und Fertigteilen untersuchte. Die Fasern (Typ Dramix) lieferte Belgo Arames. Die Materialpreise basieren auf Erhebungen vom März 2026. Die Untersuchung entstand vor dem Hintergrund steigender Kosten, geringer Produktivität und Fachkräftemangel im brasilianischen Bausektor.
Ergebnisse nach Tragglied
Die Spanne der Materialkosteneinsparungen liegt je nach Bauteil und Substitutionsgrad zwischen 8 und 34 Prozent.
Ortbetonwände: Vollständiger Ersatz von Schweißgittern und Bewehrung um Öffnungen durch Stahlfasern ergibt eine Reduktion von rund 34 Prozent. Wird die konventionelle Bewehrung um Öffnungen beibehalten und nur die Wandbewehrung substituiert, beträgt die Einsparung 27 Prozent.
Fertigteilplatten: Die modellierte Kostensenkung liegt zwischen 8 und 20 Prozent.
Fertigteilbalken: Der Ersatz von Quer- und Mantelbewehrung durch Fasern ergibt rund 8 Prozent Einsparung bei Stahlbeton und 16 Prozent bei Spannbeton.
Grenzen der Bewertung
Die Wirtschaftlichkeitsberechnung erfasst ausschließlich Bewehrungsmaterialien. Der Vergleich umfasst konventionelle Bewehrungsstähle (CA-50, CA-60), Schweißgitter und Spannglieder gegen Stahlfasern. Arbeitskosten, Geräte, Materialverluste, Steuern, Fracht, Ausführungszeiten und Logistik sind nicht enthalten. Die tatsächliche Produktivitätssteigerung durch den Wegfall der Bewehrungsmontage bleibt damit unquantifiziert.
Romário Lima, Ingenieur bei Belgo Arames, gegenüber Fastmarkets: Der Bausektor stütze sich noch stark auf traditionelle Methoden, was die Einführung neuer Technologien bremse, auch wenn sie ingenieurtechnisch konsolidiert seien. Gleichzeitig steige der Druck durch Kostenanstieg, geringe Produktivität und Fachkräftemangel.
Relevanz für die Tragwerksplanung
Die Studie beschreibt eine Verschiebung der Lastabtragung: Statt arbeitsintensiver Montage konventioneller Bewehrung wird Stahl direkt in die Betonmischung eingebracht. Die vorliegenden Daten beziehen sich auf brasilianische Marktbedingungen und den dortigen Normenraum. Eine Übertragbarkeit auf europäische Bemessungsgrundlagen ist separat zu prüfen. Die Studie quantifiziert Materialkosten; die Gesamtkosten der Tragwerksausführung bleiben unberücksichtigt.