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Stahlbau-Engpässe: Wie Lieferzeiten die Tragwerksplanung verändern

Wie BDC Magazine berichtet, schreitet der Stahlbau für die 192.000 Quadratfuß große Logistikentwicklung Link Aylesbury voran. Die Ausführung erfolgt in einem Marktumfeld, das die Materialwahl bei Großprojekten neu kalibriert.

Hendrik Lohmann·aktualisiert 17. September 2026

Stahlbau-Engpässe: Wie Lieferzeiten die Tragwerksplanung verändern

Stahlbau in Aylesbury: Lieferzeit als neue Planungsgröße

Lieferzeit, Preis und Verfügbarkeit treten als gleichrangige Parameter neben die statische Eignung.

Stahlmarkt am Limit

Skanska beziffert den Stahlpreis mit einem Anstieg von 25 Prozent binnen eines Jahres. Die Lieferzeiten haben sich auf 55 Wochen mehr als verdoppelt. Treiber ist die Nachfrage aus dem Rechenzentrums- und Halbleiterbau. Tom Park, Vice President Strategic Supply Chain bei Skanska, benennt den Mechanismus: Starke Nachfrage nach Stahl und weiteren Metallen im Zuge des KI-Ausbaus. Stahlwerke und Stahlverarbeiter arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Zölle wirken zusätzlich preissteigernd.

Die Konsequenz für die Tragwerksplanung: Die Vorlaufzeit für die Materialbestellung muss früher ansetzen. Die Bemessung muss Verfügbarkeit und Kostenentwicklung antizipieren.

Brettsperrholz als tragwerkstechnische Alternative

Die Engpässe lenken die Aufmerksamkeit auf Brettsperrholz und Brettschichtholz. Dean Lewis, Director Mass Timber and Prefabrication bei Skanska, bestätigt eine gestiegene Nachfrage von Rechenzentrumskunden. Die Anschaffungskosten des Holztragwerks liegen über denen der Stahllösung. Skanska legt eine Vergleichsrechnung für ein dreigeschossiges Bürogebäude vor. Das Holzschwerkrafttragwerk kostet in der Anschaffung mehr als die Stahlvariante. Einsparungen verteilen sich auf Gründung, Aussteifungssystem, Ausbau, Fassade und Bauzeit. Beide Varianten konvergieren nahe der Kostenneutralität.

Die mechanischen Vorteile: geringere Strukturlast, reduzierte Gründungsabmessungen, leichteres Aussteifungssystem. Die MEP-Integration bleibt bei sachgerechter Planung kostenneutral. Die Vorfertigung verkürzt die Bauzeit.

François Robichaud, Partner bei Forest Economic Advisors, weist auf die stabile Preisentwicklung bei Brettsperrholz hin. Der Holzanteil beträgt 65 bis 70 Prozent der Gesamtkosten. Die Preissteigerung bei Schnittholz liegt zwischen null und drei Prozent, trotz Zollbelastung auf kanadische Weichholzimporte. Die Produktionskapazitäten für Brettsperrholz und Brettschichtholz in Nordamerika sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewachsen. Die Auslastung bleibt unter der Maximalkapazität. Eine Angebotsverknappung zeichnet sich nicht ab.

Was Tragwerksplaner jetzt prüfen

Die Lieferzeit von 55 Wochen bei Stahl verändert die Terminplanung in der Vorlaufphase. Materialverfügbarkeit tritt als gleichrangiges Kriterium neben die Kostenrechnung. Die statische Modellierung muss beide Werkstoffe mit ihren Steifigkeits- und Verformungseigenschaften abbilden. Die Mehrkosten der Bauherrenhaftpflicht bei Brettsperrholz im Vergleich zu Stahl bleiben als wirtschaftliche Restriktion bestehen. Eine belastbare Aussage zur Tragwerkswahl erfordert die Gegenüberstellung beider Varianten auf gleicher Normbasis.