Kreislaufwirtschaft im Bauwesen: Neue Ansätze für Tragwerksplaner
Reuters dokumentiert das Horizon-Europe-Projekt CO2NSTRUCT, vorgestellt am 25.
Hendrik Lohmann·aktualisiert 01. August 2026

Juni an der School of Engineering der Universität Pisa. Renewable Matter liefert die zugehörige Datenbasis. Das Vorhaben erweitert das Energiemodell TIMES um kreislauforientierte Strukturen für den Bausektor. Tragwerksplaner erhalten damit eine Grundlage, Recycling- und Wiederverwendungsstrategien in Stahl, Zement und weiteren Werkstoffen quantitativ zu bewerten.
Ausgangslage TIMES
TIMES dient als Planungsinstrument für nationale Energiepolitik. Die EU-Kommission pflegt die Variante JRC-EU-TIMES zur Simulation des Energiesystems der 27 Mitgliedstaaten bis 2050. Auf dieser Basis hat Brüssel Politikpakete, Aktionspläne und Förderinstrumente erstellt, die der Kreislaufwirtschaft spezifische Beiträge zur Emissionsreduktion im Bauwesen zuweisen. Das Forscherteam um Pierluigi Zerbino benennt mehrere Schwächen: TIMES erfasst nicht alle baurelevanten Rohstoffketten. Es bewertet Sektoren isoliert. Es verknüpft Änderungen der Nachfrage aus dem europäischen Gebäudebestand nicht mit dem daraus resultierenden Materialbedarf. Es kennt keine zusätzlichen Aktivitäten, die Kreislaufführung operationell erfordert.
Datenbasis und Erweiterung
Vier Jahre Arbeit umfassten Literaturreview, Kartierung europäischer Kreislauf-Lieferketten und Felddatenerhebung mit Industrieunternehmen, schwerpunktmäßig durch DESTEC der Universität Pisa. Ingenieur Giammarco Montalbano präsentierte 180 identifizierte Kreislaufpraktiken über sechs Werkstoffcluster – Stahl, Zement, Glas, Ziegel, Dämmstoffe, Holz. 40 Praktiken wurden detailliert analysiert. 26 sind bereits in das Modell integriert. Das Ergebnis klassifizieren die Beteiligten als Szenariowerkzeug: Variablenänderungen zeigen mögliche Emissions- und Kostenwirkungen, ersetzen jedoch keine Prognose.
Prüfkante für Tragwerksplanung
Professor Davide Aloini benennt das Defizit: validierte Modelle zur systematischen Bewertung der Emissionswirkung von Kreislaufwirtschaft im europäischen Wirtschaftssystem fehlen bisher. CO2NSTRUCT liefert eine belastbare Datenstruktur. Tragwerksplaner erhalten eine Berechnungsgrundlage, um Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit kreislauforientierter Querschnitte quantitativ gegen konventionelle Lösungen nachzuweisen. Beobachtungspunkt bleibt die Korrelation zwischen Modellwerten und tatsächlich erreichten Emissionsreduktionen in realen Bauvorhaben.