Großspannweiten im Holzbau: Tragwerksplanung für den Luftschiffhangar
Nach Angaben von holzbau austria entsteht in Mülheim an der Ruhr ein Luftschiffhangar, dessen Tragwerk diese Kennzahlen aufweist.
Hendrik Lohmann·aktualisiert 17. August 2026

Holz in Höchstform
42 Meter Spannweite, 15 Rahmen, Brettschichtholz. Nach Angaben von holzbau austria entsteht in Mülheim an der Ruhr ein Luftschiffhangar, dessen Tragwerk diese Kennzahlen aufweist. Die Konstruktion nutzt Fachwerkrahmen aus Brettschichtholz. Die Planung erfolgte digital, die Auslegung kreislauffähig.
Tragwerk und Konstruktion
Die geometrische Vorgabe – 42 Meter stützenfreier Raum – erfordert eine hohe Biegebeanspruchung der Hauptträger. Brettschichtholz liefert bei diesem Spannweitenbereich ein günstiges Verhältnis von Eigengewicht zu Tragfähigkeit. Die Fachwerkausbildung reduziert das erforderliche Holzvolumen gegenüber Vollwandbindern und verteilt die Beanspruchung auf Zug- und Druckstäbe. Die digitale Planung ermöglicht passgenaue Knotenpunkte und eine optimierte Stabgeometrie. Die kreislauffähige Konstruktion verlangt lösbare Verbindungen – eingelassene Gewindestangen, Stahlblechformteile mit Schraubanschluss oder Dübel besonderer Bauart. Die spätere Trennung der Bauteile erfolgt dadurch ohne Zerstörung der Holzsubstanz.
Die genannten Kennzahlen – 15 Rahmen, 42 Meter Spannweite – liegen oberhalb der üblichen Größenordnung für Hallen aus Brettschichtholz. Die tatsächliche Tragfähigkeit eines Fachwerkbinders in dieser Spannweite hängt von der Querschnittswahl, der Knotenausbildung, der Knicklänge der Füllstäbe und der zugrunde gelegten Bemessungsnorm ab. Die verfügbaren Quellen nennen weder Binderhöhe noch Stabquerschnitte noch Lastannahmen. Die statische Einordnung bleibt damit offen.
Symposium Tragwerksplanung
Am 9. Oktober 2026 richtet der Verband Beratender Ingenieure VBI in Berlin das Symposium „Vision & Konstruktion" aus. Veranstaltungsort ist der Georg-Neumann-Saal der Universität der Künste Berlin, Einsteinufer 43–53. Das Programm widmet sich innovativen Tragwerkskonzepten und nachhaltigen Bauweisen. Genannt werden unter anderem die Rathausbrücke Tuttlingen als Beispiel für Holzbetonverbundbau, Planung und Bau des Elbtowers in Hamburg, die Instandsetzung der König-Ludwig-Brücke von 1848, das Holzhybridhochhaus Atlassian Central Sydney, die Revitalisierung des Hochhauses Wolfsburg sowie das Museum Reutlingen. Die Veranstaltung richtet sich an Bauingenieurinnen und Bauingenieure, Architektinnen und Architekten sowie Studierende.
Was zu prüfen bleibt
Die Quellen zum Hangar nennen Spannweite und Stückzahl. Sie nennen weder Binderhöhe, Stabquerschnitte, Verbindungsmittel, Lastannahmen noch die angewandte Norm. Die Bewertung der konstruktiven Leistung bleibt damit unvollständig. Für die Praxis relevant bleibt zudem die Frage nach der Kreislauffähigkeit im Detail: Welche Verbindungsmittel werden eingesetzt, wie erfolgt die Sortenreinheit der Hölzer, wie wird die Rückbauphase dokumentiert. Das Symposium in Berlin bietet die Möglichkeit, vergleichbare Holztragwerke im Detail zu diskutieren. Der Termin steht.