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Barbican-Sanierung: Statische Herausforderungen beim Rückbau komplexer Betonstrukturen

Die City of London Corporation hat ein Vergabeverfahren über 16 Millionen Pfund für Abbruch-, Erschließungs- und neue Tragwerksarbeiten im Rahmen des Barbican Renewal Programme gestartet.

Hendrik Lohmann·aktualisiert 05. September 2026

Barbican-Sanierung: Statische Herausforderungen beim Rückbau komplexer Betonstrukturen

Laut Geomechanics.io umfasst das Auftragslos den Rückbau bestehender Bauteile und temporäre Hilfskonstruktionen zum Schutz der vielschichtigen Betonstruktur des Komplexes. Neue lastabtragende Elemente und bauliche Veränderungen sind im selben Vertrag vorgesehen. Für deutsche Tragwerksplaner ist das Verfahren vor allem als Referenzfall für Bestandsschutz unter laufendem Betrieb relevant.

Bestandsstruktur als primäre Randbedingung

Der Barbican umfasst sensible Bauteile aus vorgespanntem und unverdecktem Stahlbeton. Jede Rückbau- und Montagesequenz muss die Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit der verbleibenden Struktur rechnerisch nachweisen. Gefordert sind Erfahrung im Bauen unter Aufrechterhaltung der Nutzung angrenzender Gebäudeteile sowie verbindliche Erschütterungs- und Lärmgrenzwerte. Temporäre Hilfskonstruktionen müssen Lastumlagerungen während aller Zwischenzustände aufnehmen und an die Verformungstoleranzen des Bestands angepasst werden. Die Schnittstellen zwischen provisorischer Sicherung und endgültigem Tragsystem sind durchlaufend zu planen und messtechnisch zu überwachen.

Sequenzierung als Pflichtaufgabe der Tragwerksplanung

Die Rückbaufolge bestimmt die Tragfähigkeit jedes Bauzustands. Bieter müssen darstellen, wie schwere Abbrucharbeiten in unmittelbarer Nähe zu Vorspann- und Sichtbetonkonstruktion sequenziert werden. Die Ausschreibung gewichtet nachweisbare Praxis in temporären Hilfskonstruktionen, Ertüchtigung und Nachhaltigkeit; über den Auftragswert hinaus besteht Referenzwirkung, falls das Projekt als Fallstudie in Fachmedien aufgegriffen wird. Die ingenieurtechnische Begleitung muss Bauzustände, Lastumlenkungen und Verformungstoleranzen fortlaufend dokumentieren und gegenüber dem Bestandsnachweis abgleichen.

Übertragbarkeit auf innerstädtische Bestandsprojekte

Die Anforderungen — Bestandsschutz, Lärm- und Erschütterungsbegrenzung, Nachweis jedes Bauzustands im Grenzzustand der Tragfähigkeit — entsprechen gängigen Problemstellungen bei Aufstockungen, Kernsanierungen und Teilrückbau in innerstädtischen Lagen. Die durchgängige statische Begleitung in der Ausführungsphase bleibt die zentrale Aufgabe. Eine fortlaufende Dokumentation der Bauzustände und der zugehörigen Nachweise ist Voraussetzung für die spätere Abnahme. Das Barbican-Verfahren zeigt, dass Vergabestellen diese Leistungen explizit als Eignungskriterium formulieren.