Ulrich Müthers Betonschalen: Neue Fachpublikation zur Sanierungspraxis
70 Betonschalen entwarf Ulrich Müther. Vier galten als stark gefährdet. Der neue Tagungsband „Harte Schale, weicher Kern" bündelt nach Bericht von schwerin.news die Erfahrungen des Denkmaltags 2025 in Templin.
Hendrik Lohmann·aktualisiert 12. August 2026

Der Band liefert Tragwerksplanern belastbare Daten zu Geometrie, Schalendicke und Sanierungsmethoden dünner Betonschalen.
Konstruktive Besonderheiten der Müther-Schalen
Ulrich Müther (1934–2007) entwarf mehr als 70 Betonschalen. Die Konstruktionen prägen die Nachkriegsmoderne. Die Geometrien basieren überwiegend auf hyperbolischen Paraboloiden, auch Hyparschalen genannt. Die Schalenstärke beträgt häufig nur wenige Zentimeter. Der Lastabtrag erfolgt vorrangig über Membrankräfte in der Schalenebene. Lokale Eingriffe wie Verstärkungen, Öffnungen oder Aufbeton verändern die Tragwirkung und den Kräftefluss. Eine Sanierung umfasst üblicherweise Bestandsaufnahme, Nachweis der Resttragfähigkeit und ein Konzept zur Erhaltung der Originalgeometrie. Bei Müther-Bauwerken ist die Schale selbst Denkmal und Tragwerk zugleich.
Inhalt und Umfang des Tagungsbands
Der Band fasst die Vorträge des Denkmaltags 2025 zusammen. Veranstalter waren die Landesämter für Denkmalpflege Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Vier Sanierungsprojekte aus der Region werden behandelt. Umfang: 144 Seiten, über 150 farbige Abbildungen. Herausgeber: Thomas Drachenberg und Ramona Dornbusch. Preis: 29 Euro, Hardcover mit Lesebändchen. Ergänzend veröffentlichte das Brandenburgische Landesamt die Podcast-Folge „Vom Hyper-Dancing und Müther-Hype – zwei Tage mit Ulrich Müther".
Übertragbarkeit auf laufende Sanierungen
Die Schweriner Hyparschale wird heute unter anderem durch die FreshEggsGallery genutzt. Betreiber Stephan Schrör begleitet die laufende Sanierung vor Ort. Er hat nach eigenen Angaben an Fachtagungen zu vergleichbaren Hyparschalen in Schutow, Neubrandenburg, Magdeburg und Templin teilgenommen. Schrör begrüßt die Zusammenfassung der Ergebnisse als Publikation. Die im Tagungsband dokumentierten Erfahrungen übertragen sich auf die Schweriner Baustelle. Tragwerksplaner erhalten vier realisierte Lösungsansätze für typische Problemstellungen: Rissbildung im Schalenbereich, Betonabtrag an geschädigten Stellen und Verstärkungsmaßnahmen ohne Verlust der Originalgeometrie. Der Band ersetzt keine objektbezogene Berechnung. Er liefert Vergleichsdaten für die Vorbereitung eines Sanierungskonzepts und für die Abstimmung mit den Denkmalbehörden. Für Eigentümer, Architekten und Denkmalpfleger sind solche dokumentierten Erfahrungen besonders wichtig.