Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur: Neun Projekte im Fokus der Tragwerksplanung
Die DGNB nominiert neun Projekte für den 14. Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur. Die Auswahl folgt einer klaren Linie: Lowtech-Konzepte, Holz-Hybridbauweisen und Wiederverwendung von Baumaterialien dominieren.
Hendrik Lohmann·aktualisiert 08. August 2026

Die Tragwerksplanung steht vor der Aufgabe, diese Prinzipien in nachweisfähige Konstruktionen zu überführen. Die Vergabe erfolgt am 21. Oktober beim Forum Nachhaltige Architektur in Mannheim.
Tragwerksrelevante Konstruktionsprinzipien
Vier der nominierten Projekte setzen auf Holzbau oder Holz-Hybridbauweise. Die Josef-Schwarz-Schule in Heilbronn kombiniert Holz und Stahl in einem Hybridtragwerk. Das Projekt K10 in Leipzig errichtet auf erhaltenen Kellerresten einen Neubau in ressourcenschonender Holzbauweise. Der Moabiter Kinderhof in Berlin besteht aus fünf versetzten Holzkuben. Die Tragwerksplanung muss bei diesen Konstruktionen die Anforderungen an Brandschutz, Schallschutz und Langzeitverhalten gegen die Materialeffizienz abwägen.
Bestandssanierung als statische Herausforderung
Zwei Projekte adressieren die Erweiterung bestehender Tragwerke. Der Gelbe Block in München erfährt eine energetische Sanierung und Aufstockung um zwei Vollgeschosse. Die Statik der Bestandskonstruktion aus 1927 muss die Zusatzlasten der neuen Geschosse abtragen. In Leipzig entsteht K10 auf vorhandenen Kellerresten – die Resttragfähigkeit der Altkonstruktion bildet die Bemessungsgrundlage für den Neubau. Diese Projekte zeigen: Die größte Ressourcenersparnis liegt in der Weiternutzung vorhandener Tragstrukturen.
Suffizienz in der Ingenieurpraxis
Das Ingolstädter „Haus (fast) ohne Heizung" verfolgt den Suffizienzgedanken konsequent. Der Baukörper folgt einfachen bautechnischen Mitteln. Für die Tragwerksplanung bedeutet Lowtech: Reduktion auf das statisch Notwendige, Verzicht auf aufwändige Sonderkonstruktionen, Standardisierung der tragenden Elemente. Die Jury attestiert den Nominierten ein Austarieren zwischen Nutzerqualität, Ressourcenverantwortung und Langfrist-Bezahlbarkeit. Die technische Umsetzung dieses Anspruchs liegt in der Verantwortung der Tragwerksplanung.
Einordnung
Der Trend zur Materialwiederverwendung und Holz-Hybridbauweise verlagert die ingenieurtechnischen Herausforderungen. Kreislaufwirtschaft erfordert reversible Verbindungen und dokumentierte Materialkennwerte wiederverwendeter Bauteile. Die nominierten Projekte liefern Praxisbeispiele. Deren statische Nachweise werden Maßstäbe setzen.