BIM im Gebäudebetrieb: Warum Facility Management neue Datenstrategien braucht
Wie Baulinks berichtet, will die Publikation jene Perspektive besetzen, die in den Renderings der Planungsphase fast immer unsichtbar bleibt: den Betrieb.
Carsten Wiegand·aktualisiert 20. August 2026

Noch ein BIM-Buch – könnte man zunächst denken, wenn der bSD Verlag im August 2026 sein neues Werk "BIM für Facility Manager – Die digitale Transformation im Gebäudebetrieb" vorstellt. Wie Baulinks berichtet, will die Publikation jene Perspektive besetzen, die in den Renderings der Planungsphase fast immer unsichtbar bleibt: den Betrieb. Das klingt nach dem x-ten Versuch, das BIM-Versprechen in die zweite Hälfte des Lebenszyklus zu retten. Die spannende Frage ist allerdings nicht, wie elegant das Buch gedruckt ist, sondern was ein Tragwerksplaner in der Praxis konkret damit anfangen kann.
Vom Planungsmodell zum Betriebsmodell
Die Autoren gehen laut Baulinks konsequent vom Betrieb aus und stellen eine schlichte, aber unbequeme Leitfrage: Welche Informationen braucht ein Facility Manager eigentlich, wenn das Gebäude erst einmal steht? Welche Werkzeuge passen dazu, und welche Arbeitsweise ist nötig, damit die Daten nicht in irgendeinem IFC-Container verrotten? Genau an dieser Stelle scheitern die meisten BIM-Pilotprojekte früher oder später – nicht an der Software, sondern an der fehlenden Brücke zwischen as-built-Modell und tatsächlichem Gebäudebetrieb. Wer in der eigenen Praxis einmal versucht hat, ein sauberes Tragwerksmodell an den FM-Bereich zu übergeben, kennt das digitale Datengrab, das dabei entsteht: Bauteilinformationen ohne Pflege, Attribute ohne Verantwortliche, Listen, die niemand mehr öffnet.
Change-Management statt Tool-Glück
Bemerkenswert ist der Anspruch des Buches, digitale Transformation nicht nur als technische Aufgabe rund um Datenbanken, Softwarearchitekturen und IT-Sicherheit zu behandeln, sondern ebenso als Frage von Organisation, Kultur und Veränderungsfähigkeit. Lean-Ansätze und professionelles Change-Management sollen den Wandel im Bau- und Immobilienwesen realistisch und schrittweise ermöglichen. Für Planungsbüros, die gerade dabei sind, ihre Workflows zwischen Statik, Modellkoordination und Datenübergabe neu zu sortieren, ist das der eigentlich relevante Teil. Denn ohne ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Prozesse bleibt jede BIM-Einführung am Ende ein teures digitales Türschild.
Die Zielgruppe ist laut Baulinks breit gestreut: Fachleute aus Bauwesen, Immobilienwirtschaft und Facility Management, Bauherren, Studierende und BIM-Interessierte. Wer das Buch tatsächlich zur Hand nimmt, sollte allerdings weniger die schönen Schaubilder suchen als die Kapitel zu Schnittstellen, Datenverantwortung und Übergabeprozessen. Dort entscheidet sich, ob BIM im Betrieb tatsächlich funktioniert – oder ob nur ein weiteres Glossar im Regal steht.